SBV-Geschichte
Die Geschichte der Schweizer Bergführerinnen und Bergführer ist geprägt von einer langen Tradition der Exzellenz, der Professionalität und des Engagements für die Sicherheit im Gebirge. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich der Beruf kontinuierlich weiterentwickelt, um den steigenden Anforderungen des Alpinismus, des Tourismus und der Ausbildung gerecht zu werden.
19. Jahrhundert
Die ersten Schweizer Bergführer traten bereits 1826 in Grindelwald in Erscheinung und markierten damit den Beginn einer organisierten beruflichen Tätigkeit. 1856 wurden mit Melchior Anderegg und Christian Almer die ersten Bergführer diplomiert, womit die Grundlage für die berufliche Anerkennung gelegt wurde. Ab 1863 waren die Bergführer Mitglieder des Schweizer Alpen-Clubs (SAC), was ihre institutionelle Verankerung weiter stärkte.

Die ersten 1856 patentierten Bergführer der Schweiz: Melchior Anderegg (1829-1914) und Christian Almer (1826-1898); Fotos um 1896.
Meilensteine
1826
Erste Schweizer Bergführer (Grindelwald).
1856
Erste Bergführer-Diplome Anderegg und Almer.
1863
Bergführer werden Mitglieder des Schweizer Alpen-Clubs (SAC)
20. Jahrhundert
Die Gründung des Schweizer Bergführerverband (SBV) erfolgte im Jahr 1906. Dieser Schritt stellte einen bedeutenden Meilenstein in der Strukturierung des Berufsstandes sowie in der Wahrung seiner Interessen dar. Fünfzig Jahre später, 1956, feierte die Ausbildung der Bergführer ihr 100-jähriges Bestehen. 1972 zählte die Schweiz bereits 1’500 aktive Bergführer.
Die gesellschaftliche und berufliche Entwicklung spiegelt sich auch im Zugang von Frauen zum Beruf wider. 1986 wurde Nicole Niquille die erste Bergführerin der Schweiz (und die zweite weltweit). In den folgenden Jahrzehnten nahm der Anteil von Frauen sowohl in Führungsfunktionen als auch in der Ausbildung stetig zu.

Nicole Niquille, die erste Schweizer Bergführerin. Foto um 1986.
Ab Ende der 1980er-Jahre baute die SBV ihr institutionelles Netzwerk und ihre Partnerschaften gezielt aus: Beitritt zur Swiss Snowsports Association (1988), zu Schweiz Tourismus (1989) sowie zur Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin (1995). 1997 wurde ein ständiges Sekretariat in Zürich eingerichtet, was einen weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung der Verbandsstrukturen darstellte.
Meilensteine
1906
Gründung des Bergführerverband (SBV).
1956
100 Jahre Bergführerausbildung.
1972
1’500 aktive Bergführer in der Schweiz.
1986
Erste Bergführerin der Schweiz Nicole Niquille.
1988
Mitglied der Swiss Snowsports Association (SSSA).
1989
Mitglied von Schweiz Tourismus.
1995
Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gebirgsmedizin (SGGM).
1997
Einrichtung des SBV-Sekretariats in Zürich.
21. Jahrhundert
Die 2000er-Jahre waren von einer starken Entwicklungsdynamik geprägt. Die SBV wurde 2000 Gründungsmitglied der Swiss Outdoor Association, gewann 2001 ihre ersten offiziellen Sponsoren und lancierte 2002 ihre erste Website. 2003 übernahm sie die Verantwortung für die Ausbildung der Schweizer Bergführer („Trägerschaft“) und festigte damit ihre zentrale Rolle im Ausbildungssystem.
Die Einführung der obligatorischen Weiterbildung im Jahr 2004 stellte einen entscheidenden Schritt zur Qualitätssicherung dar. Im selben Jahr wurde Bettina Perren zur ersten Sektionspräsidentin (Zermatt) gewählt. In den darauffolgenden Jahren entstanden neue spezialisierte Ausbildungsangebote (Arbeitssicherheit, Kletterlehrerin, Wanderleiterin), begleitet von einer intensiven Zusammenarbeit mit nationalen Partnern aus den Bereichen Tourismus, Wirtschaft und Sicherheit.
2006 feierte die SBV ihr 100-jähriges Bestehen und engagierte sich gleichzeitig verstärkt in der Prävention von Naturgefahren, insbesondere durch die Mitwirkung in der Kompetenzgruppe „Kernteam Lawinenausbildung“ (KAT).
Die Periode 2010–2020 war geprägt von einer verstärkten rechtlichen und politischen Anerkennung des Berufs. Das Bergführergesetz wurde 2010 verabschiedet, gefolgt vom Inkrafttreten der Bergführer-Verordnung im Jahr 2014 und deren Revision im Jahr 2018. Parallel dazu engagierte sich die SBV intensiv für den Nachwuchs, den Umweltschutz ohne zusätzliche Zugangsbeschränkungen zu den Bergen sowie für die weitere Professionalisierung ihrer Strukturen.
In 2017 richtet der SBV ein professionelles Zentralsekretariat in Bern ein.
Auch auf internationaler Ebene nahm die Anerkennung zu: 2018 wurde der Umgang mit der Lawinengefahr in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen, gefolgt vom Alpinismus im Jahr 2019.
Seit 2020 setzt die SBV ihre strategische Weiterentwicklung fort, unter anderem mit der Gründung der parlamentarischen Intergruppe „Bergberufe“, der Ernennung von Rita Christen zur ersten Präsidentin der SBV im Jahr 2021 sowie mit dem Ausbau moderner Instrumente der Verbandsführung, des Risikomanagements und der digitalen Kommunikation.
In den letzten Jahren wurden zudem eine Plattform zur Förderung der Fehlerkultur und des Risikomanagements (2023) eingeführt sowie bedeutende digitale Neuerungen umgesetzt, darunter der Zentralinkasso der Mitgliederbeiträge und die digitale Mitgliederkarte (2025).
Im Jahr 2025 zählt die Schweiz 51 Bergführerinnen, was eine positive Entwicklung im Bereich der Vielfalt widerspiegelt.
Heute ist die SBV ein zentraler Akteur in der Grund- und Weiterbildung, der Interessenvertretung sowie der nachhaltigen Entwicklung der Bergberufe in der Schweiz und steht zugleich in einer traditionsreichen Geschichte von über zwei Jahrhunderten.
Im Jahr 2026 wird die SBV das 200-jährige Bestehen des Bergführerberufs in der Schweiz feiern.
Meilensteine
2000
Gründungsmitglied der Swiss Outdoor Association (SOA).
2001
Erste offiziellen Sponsoren der SBV.
2002
Lancierung der SBV-Website.
2003
Übernahme der Trägerschaft der Ausbildung der Schweizer Bergführer.
2004
- Einführung der obligatorischen Weiterbildung für aktive Mitglieder.
- Erste Bergführerin als Sektionspräsidentin.
2005
- Einrichtung des Ausbildungssekretariats in Brienz.
- Einführung der Ausbildung Arbeitssicherheit.
2006
- 100-jähriges Bestehen der SBV.
- Gründungsmitglied der Kernteam Lawinenausbildung (KAT).
2007
- Einführung der Ausbildung Kletterlehrer.
- Mitglied des Schweizer Tourismusverbands (FST).
- Mitglied des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV).
2008
Einführung der Ausbildung Wanderleiter.
2009
Aktive Förderung des Nachwuchses durch die SBV.
2010
- Verabschiedung des Bergführergesetzes (RiskG).
- Gründung der Nachwuchsgruppen.
2011
Gründung der Kommission Umwelt und Zugang zu den Bergen.
2012
Start des Projekts zur Professionalisierung der SBV-Strukturen.
2013
Mitglied der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB).
2014
- Einführung der Ausbildung Swiss Mountain Training (SMT) für die breite Öffentlichkeit.
- Inkrafttreten der Bergführer-Verordnung (RiskV).
2015
- Mitglied von Handel Schweiz / AK71.
- Revision des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt und Gebirgslandeplätze (inkl. Heliskiing).
2016
- Bergschulen und Bergführerbüros werden SBV-Mitglieder.
- Politisches Lobbying für den Erhalt des Bergführergesetzes (RiskV).
2017
Einrichtung des professionellen Generalsekretariats (Administration und Ausbildung) in Bern.
2018
- Erste Revision der Bergführer-Verordnung (RiskV).
- Die Lawinenrisikobewirtschaftung wird als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
2019
- Neuer SBV-Internetauftritt.
- Mitglied des Verbands Schweizer Boulder- und Kletteranlagen (VBSK).
- SBV-Berufsumfrage.
- Der Alpinismus wird als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.
2020
Gründung der parlamentarischen Intergruppe Bergberufe.
2021
Erste Frau als Präsidentin des SBV: Rita Christen.
2023
SBV-Plattform zur Förderung der Fehlerkultur und des Risikomanagements.
2025
- Die SBV zählt 51 Bergführerinnen in der Schweiz, davon 5 neu diplomiert.
- Zentraler Beitragsinkasso und digitale Mitgliederkarte.
2026
SBV-Jubiläum: 200 Jahre Bergführerberuf in der Schweiz.
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SBV, Januar 2026, PM