Das kann ein Bergführer garantieren – und das nicht
bluewin.ch, 24.08.2026, Britta Gfeller

Nach der Verurteilung eines Bergführers wegen fahrlässiger Tötung stellt sich die Frage: Wie sicher ist man mit einem Bergführer oder einer Bergführerin auf Touren? Der Schweizer Bergführerverband gibt Auskunft und sagt, welches Risiko die Gäste immer selbst tragen.
Ein Bergführer wurde letzte Woche in Thun wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung verurteilt. Er war hauptverantwortlich für eine Skitour, bei der 2023 in Meiringen zwei Jugendliche von einer Lawine erfasst worden waren und dabei ums Leben kamen. Der Co-Leiter der Tour wurde freigesprochen.
Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. Sie hatten den Vorwurf zurückgewiesen, ihre Mandanten hätten ihre Sorgfaltspflichten verletzt. Sie hätten nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ein Restrisiko gebe es bei Skitouren immer, die Lawine sei nicht vorhersehbar gewesen.
Schwere oder sogar tödliche Unfälle mit Bergführerinnen oder Bergführern seien sehr selten, sagt Pierre Mathey, Geschäftsführer des Schweizer Bergführerverbands (SBV) auf Anfrage von blue News.
Zum Fall von Meiringen und dem Urteil von letzter Woche will sich der Bergführerverband aus Respekt vor den Betroffenen nicht äussern. Jeder Unfall sei jedoch eine Tragödie. «In erster Linie für die Opfer, ihre Familien und Angehörigen, aber auch für die beteiligten Bergführer. Unsere Gedanken gelten den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem beteiligten Bergführer.»
Generell führten schwere oder tödliche Unfälle innerhalb des Berufsstandes zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit den Umständen, den daraus möglichen Erkenntnissen und den allfälligen Verbesserungen in den Bereichen Ausbildung, Prävention und Sicherheit, sagt der Geschäftsführer des SBV.
Beruf der Bergführerin ist rechtlich stark reguliert
«Der Bergführer ist ein ausgebildeter Fachmann für die Beurteilung und das Management von Risiken», sagt Pierre Mathey. «Seine Ausbildung, seine Weiterbildung und seine Erfahrung stellen einen wichtigen Mehrwert für die Sicherheit der Gruppe dar.»
Der Beruf des Bergführers oder der Bergführerin ist in der Schweiz rechtlich stark reguliert. Das gewerbsmässige Führen im Hochgebirge gilt als Risikoaktivität, die eine offizielle Ausbildung und entsprechende Qualifikationen erfordert – zum Beispiel die dreijährige Ausbildung beim SBV.
Der Bergführer oder die Bergführerin setze sich im Rahmen einer Tour selbst denselben Risiken aus wie die Gäste, sagt Pierre Mathey. «Diese Besonderheit unterscheidet die Beziehung zwischen einem Bergführer und seinen Gästen deutlich von vielen anderen Beziehungen zwischen Dienstleister und Kunde.»
«Berge bleiben ein unberechenbares Umfeld»
Bergführer und Bergführerinnen würde im Rahmen ihrer Kenntnisse und Kompetenzen alles daransetzen, die bestmögliche Sicherheit zu gewährleisten. «Die Berge bleiben jedoch eine natürliche, dynamische und unberechenbare Umgebung, in der eine absolute Sicherheit niemals garantiert werden kann.»
Auch bei sorgfältiger Vorbereitung und professionellem Risikomanagement bleibe in den Bergen immer ein Restrisiko bestehen. Bestimmte Veränderungen der natürlichen Bedingungen könnten nicht vollständig vorhergesehen oder kontrolliert werden, sagt Pierre Mathey, der selbst ausgebildeter Bergführer ist. Wetter-, Schnee- und Geländebedingungen könnten sich verändern, und bestimmte Ereignisse könnten trotz professioneller und sorgfältiger Beurteilung eintreten.
«Der Gast bleibt ebenfalls für die Tour mitverantwortlich und muss insbesondere die Anweisungen des Bergführers befolgen», so Pierre Mathey. «Er entbindet sich nicht von seiner eigenen Verantwortung: Mit der Teilnahme an einer Tour erkennt und akzeptiert er die mit der Ausübung des Bergsports verbundenen Restrisiken.»
Es sei daher wichtig, dass Bergsportlerinnen und Bergsportler, sowohl Amateure als auch Profis, die mit den Aktivitäten in den Bergen verbundenen Risiken kennen und akzeptieren, so der Geschäftsführer des Bergführerverbands. «Insbesondere die verbleibenden Restrisiken müssen innerhalb einer Seilschaft oder einer Gruppe thematisiert, erklärt und akzeptiert werden.»